STENCIL GRAFFITI [Street-Art trifft Markenartikler?]

Streetart gewinnt mehr und mehr Zuspruch und Unterstützung durch Markenartikler. Streetart ist ein übergeordneter Begriff, der mit dem anhaltenden Boom des Graffiti und dem allgemeinen Hang zum Kreativen, immer neue Ableger findet. Schnellstmöglich werden neue Styles weltweit kommuniziert, Galerien und ganze Bildbände mit Kreativem gefüllt. Stencil Graffiti ist ein gelungener Ableger, ein moderner Klassiker, den sich bereits große Unternehmen zu nutze machen.

Eine bekannte Variante von Stencil Graffiti ist: Pappschablonen schneiden, an die Wand halten und mit der Sprühdose die gewünschten Stellen hervorheben. In jeder Stadt sind sie zu sehen, manchmal politisch, meist künstlerisch. In Deutschland ist dabei die gleichermaßen einfache wie bekannte schwarz-gelbe Banane zu nennen, die vielerorts die Wände ziert. Stencil Graffiti heißt nun dieser neue Boom und bildet mit traditioneller Lowtech-Methodik einen Gegenpol zur ansonsten digital-schnellebigen Kommunikation. Dabei erschließt sich diese Form von Kunst nur Menschen, die ihre Umwelt noch wahrnehmen und aufmerksam die starke Symbolik erkennen. Eine definierte Zielgruppe!

Einer der wichtigsten Influencer von Streetart ist Shepard Fairey's, besser bekannt unter seinem Synonym Obey Giant. Mit seinen durch Aufkleber und Poster angereicherten Stencil Graffitis bewegt sich der 35-jährige Künstler stets am Rande der Legalität. Seine Collagen sind ein Mix aus Poster-Art, Stickern, Fotografie und gesprühten Stencils. Sein Treiben wird dazu durch seine eigene Kollektion mit T-Shirts, Sweats und Hoods erweitert, die eine große Fangemeinde auf der ganzen Welt gefunden hat, obwohl man seine Produkte nur über den direkten Draht zu Obey Giant in den Laden bekommt. Ein selektiver Vertrieb, der nur über persönliche Kontakte funktioniert und ein entsprechend kreativ angelegtes, innovatives Ladenkonzept voraussetzt. Zudem gibt es bereits limited Edition Skateboards mit seinen Grafix, sowie Schuhe von namhaften Herstellern wie DC Shoes und seit der "Streetwise one" Ausstellung auch von Royal Elastics.

Für Obey Giant ist Kunst "die optimale Verschmelzung von Input und Output, ein kreatives Ventil, mit dem ich Einflüsse meiner Umgebung aufnehme und es ihr auf meine persönliche Art und Weise wiedergebe."
Dazu mehr unter www.obeygiant.com

Durch seine Agentur BLK/MRKT (Black Market) mit Sitz in Los Angeles gibt er seiner Kreativität den nötigen Rückhalt. Dort greift er als Art Director Markenartiklern wie Pepsi Cola, Virgin Records und dem Computerspiele-Hersteller Haspro beim Corporate Design und der Entwicklung von Marketing Kampagnen unter die Arme.

Wie sehr dieser Streetart-Style Einfluss auf die Markenwelt hat, zeigte die vielbeachtete Scorpion-Printkampagne des Sportschuh-Innovators Nike im Vorfeld der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft. Poster und Plakatwände mit den Gesichtern der Superstars Figo, Ronaldo, Rosicky und Co. prangten im ruffen Stencil-Style an Bauzäunen und Mietposterflächen, die entsprechenden Aufkleber an Laternenmasten und Stromkästen. Nur der dezente Hinweis www.nikefootball.com ließ auf den Ursprung und Sinn der Aktion schließen und eröffnete dem Betrachter eine neue Dimension von Fußball. Diese zeitgemäße Printkampagne war exakt auf die Scorpion- Gesamtkonzeption abgestimmt. Das schnelle "no rules" -Scorpion Game samt Metall-Cage für drei trickreiche Spieler in jeder Mannschaft, die passenden TV-Werbespots, aufgenommen in einem alten Tanker. Last not least die begleitenden Nachwuchsspieler- Events, die das trashig- undergroundige Umfeld aufgegriffen haben und allerorten ihre Spuren hinterlassen haben. Guerrilla Tactics at its best!

Auch der Snowboard- und Equipment-Hersteller Burton hat diesen Trend für sich entdeckt und liefert fertige Schablonen an seine Händler. Hierbei sind Burton-affine Designs mit verdrehten Schriftzügen, sowie Landschaften, Totenköpfe, Bomben und Anti- Kriegssymbolik vorherrschend. Das ganze natürlich mit dem Zusatz, dass Burton nicht zu illegalen Handlungen anstiften will. Man kann also getrost seinen alten VW-Bus für den kommenden Snowboard-Trip stylen oder in der eigenen Wohnung die vier Wände verschönern.

Das passende Buch zum Thema, mit dem Titel "Stencil Graffiti" ist seit März 2002 im Buchhandel (ISBN 0-500-28342-7) erhältlich. Zusammengestellt von Tristan Manco zeigt das bei Thames und Hudson erschienene Werk auf 112 Seiten über 400 Beispiele dieser Form von Streetart. Die repräsentativ zusammengestellten Arbeiten stellen Innovationen und Arbeitsweisen diverser Künstler aus der ganzen Welt dar. Der Autor schlägt einen Bogen von der Höhlenmalerei bis zum politischen Protest der Basken und Mexikaner in den 70er Jahren, um weiterführend den derzeitigen Stand von Stencil Graffiti eindrucksvoll zu dokumentieren.
Mehr Infos unter www.stencilgraffiti.com

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