BUST YOUR OWN BEAT!

"Schlage deinen eigenen Rhythmus", ist die wörtliche Übersetzung unseres aktuellen Leitsatzes. Es ist der Aufruf, sein eigenes Ding zu machen, authentisch zu sein, seinen eigenen Style zu pflegen. Shawn Stussy, um den es direkt und indirekt in unserer Titelstory geht, prägte diesen Slogan bereits 1984 in einer Stussy-Kampagne. Shawn Stussy ging es nicht nur um eigenständige Kleidung, sondern auch darum, eigenständiges Denken der Menschen anzuregen, die sie tragen. Dieser Anspruch setzte sich in Slogans wie "stand out the crowd" oder "do your own thang" fort. Stussy bleibt in der Tat seiner eigenen Linie Treu, auch wenn das Geschäft längst von einer neuen Generation geführt wird. Der Stussy-Style hat sich nur geringfügig verändert, er verschreibt sich kaum aktuellen Trends & Hypes, um sie in der nächsten Kollektion wieder komplett zu droppen.

Trends kommen aus dem Underground, wo sie allerdings, wenn sie dann erst mal trendy sind, längst als mega-out gelten und dementsprechend schnell auch für den Mainstream nicht mehr hip sind. Die Styles der Boarder waren immer gefragt; sie trugen weite Hosen bis alle geschnallt haben "wir brauchen Baggy Pants". Markt geflutet, game over. Rapper trugen Workwear, ein neuer Trend war geboren. Collegestyles, Punkrock, Psychobillys, Mods, Teds, Freaks, Popper, Brit Popper, Grunger, Breaker, Writer, Raggamuffins, Rudeboys, Hippies, Waver, Metaller, Cowboys, Dopesmoker, Großstadtindianer, Traveller und wer noch alles hatten ihren eigenen Style.

Heutzutage kann auf der Strasse nur ein geübtes Auge erkennen, wer hat authentischen Style und wer ist verkleidet, was ist real und was ist fake. Sind die gewählten Superstars die Vorreiter oder doch der Typ mit der abgerissenen Hose? Ist etwas trendy, reiten alle Marken das Thema durch, obwohl H&M und Konsorten auch schon so schnell waren, wenn nicht sogar schneller. Military, Neon, Rennfahrer Picken, Parka, Retro, Markennamen auf dem Hintern, Premium Styles, Art Kollaborationen, sie tauchen auf und alles stürzt sich drauf. Die Konsequenz? Die Brands verlieren ihre Eigenständigkeit, werden austauschbar. Einheitsbrei, den niemand da draußen versteht, wie auch? Der Trend ist innerhalb kürzester Zeit da und auch wieder durch. Schnell, schnell werden neue Elemente aufgegriffen, aber woher nehmen wenn nicht
stehlen? Der nächste logische Schritt war das Trendrecycling...

Der individuelle Einzelhändler steht schlecht da, weil er auch nur das verkaufen kann, was man ihm bietet und dann hat er noch die Vertikalen im Nacken. Einer Linie treu und dabei eigenständig zu bleiben; Innovationen im Design zu finden, ohne gleich Untragbares zu kreieren; Lifestyleattitüde zu transportieren ohne dabei dumm, langweilig oder aufdringlich zu wirken; das Rad neu zu erfinden ist schwierig.

Der neue Trend? Nicht trendy zu sein! Also Klamotten ohne viel kurzlebigen Schnick Schnack, sondern mit Überzeugung und Tiefe: im Detail hochwertig, langlebig und durchdacht; tragbar geschnitten, relaxed und plain; dazu sollte es am Besten "fair trade" sein und last not least: "patronize your local merchant", weil der hat es nötig!

Martin Magielka für das streetwear today team