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UNLEARN
AND RETHINK
Unlearn
kann jeder für sich selber interpretieren und alles, was
dabei rauskommt, ist richtig. Worauf kann man Unlearn in Streetwear,
Kunst und Lifestyle beziehen? Vielleicht ist streetwear
today gar kein passender Name für ein Magazin, das
kein Fachmagazin mehr ist. Vielleicht klingt stw2d ja cooler.
Aber hat S2C nicht so was schon gemacht? Ja, Stussy zitiert und
interpretiert neu und zudem besser! Warum war es mal ein Fachmagazin
und was ist es jetzt? Wir haben so angefangen und sind jetzt
woanders. Wir tratschen gern und versuchen auf Dinge, die passieren
zu reagieren, schnell zu reagieren, mit der Konsequenz, es anders
zu machen. Ist Unlearn eine Handlung, die sich auf etwas bezieht
was man gelernt hat und es verlernen soll? Oder ist damit vielleicht
gemeint, dass man Handlungen in der Zukunft nicht nach Schema
F durchführen sollte? Ist ein altes Buch wertlos oder kann
man die Seiten bemalen und irgendwo hinkleben, oder gar in einer
Galerie ausstellen? Ist dieses Buch vielleicht besonders im Wert
gestiegen, weil es, zusätzlich zum Cover-Artwork, 1996 auch
noch aus der öffentlichen Bibliothek von L.A. entliehen
bzw. entwendet wurde? Verleihe ich durch die Art, mit Sprühdosen
umzugehen, der Wand meine persönliche Note? Oder sind Pinsel,
Marker und Papier das bessere Medium? Wenn ich tagsüber
mit einer Sprühdose eine Wand bemale (legal oder illegal),
hält fünf Minuten später der erste Wagen mit Blaulicht
an. Klebe ich ein Plakat mit Kunst dahin, interessiert es nur
diejenigen, die es wahrnehmen. Es zeigt mehr Noten und klebt
an jeder Wand. Ist Streetart bald ein Schimpfwort, weil schon
mal blubberrauchende Aliens an den Turntables standen und dazu
aufgerufen haben, Dinge anders zu machen? Ist das, was Eltern,
Lehrer, Professoren oder Chefs einem vor Jahren beigebracht haben
heute noch richtig oder funktioniert es nicht mehr wenn man älter
wird, weil sich die Dinge einfach ändern? Vielleicht ist
es ja so, dass die Dinge, die gestern noch funktioniert haben,
morgen nicht mehr funktionieren und in der nächsten Woche
stellt man fest, dass es nur leicht abgewandelt funktioniert
hätte. Wenn etwas nicht funktioniert, einfach mal den Gang
wechseln, vielleicht mal runter schalten oder Gas geben anstatt
darauf zu warten, dass die Veränderung von hinten kommt
und vorbei fährt. Das Ableben der Interjeans ist hier das
passende Beispiel. In der Streetwear kann man keinen Trend heraufbeschwören
oder durch Inszenierungen cool machen. You can not plan
or decide to be hip, it just happens. Es ist wichtig, auf
der Bread & Butter, ispo oder sonst wo präsent zu sein,
sein Brand in gelungener Weise darzustellen. Eine Garantie dafür,
dass es auch funktioniert, ist eine Messepräsenz trotzdem
nicht. Es passiert oder es passiert nicht. Dabei sind neue Ideen
riskant oder doch nicht. Wer etwas riskiert wird belohnt oder
doch nicht. Etwas gelernt zu haben ist in der heutigen Zeit,
wo sich die Dinge so schnell ändern, nicht mehr wichtig.
Gelerntes zu verstehen und es auf neue, andere Situationen anzupassen,
sogar vielleicht das Gegenteil zu erreichen, wiegt mindestens
genauso viel. Langfristige Strategien zu entwickeln kann gut
sein, aber man sollte noch reagieren können. Stratege zu
sein heißt nicht immer, dass die Richtung Sinn macht. Genauso
wichtig sind Intuition, das Gefühl im Bauch, Erfahrungen
gemixt mit Risikobereitschaft; und nicht zuletzt der little Genius,
der herum fliegt, ab und zu irgendwo auftaucht und den Dingen
den richtigen Impuls verleiht. Rethink!
Martin Magielka für das streetwear
today team
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